Von den Glücks-Spitzen

Erwartungen an den (neuen) Hund

Antje Graeter von meiner Lieblings-Hundeschule „PetStyle“ in Grenzach-Wyhlen schreibt dies: 
Was läuft falsch, wenn ein Hund neu einzieht? Ganz oft nicht der Hund.
Sondern die „Erwartung“ an den Hund.
Ein Welpe zieht ein. Oder ein Hund aus dem Tierschutz.
Und nach einer Woche soll bitte schon alles funktionieren:
– stubenrein sein
– alleine bleiben können
– entspannt Gassi gehen
– keine Angst haben
– Kinder in Ruhe lassen
– nicht bellen
– nicht ziehen
– nicht überfordert sein
Kurz gesagt: Der Hund soll nach wenigen Tagen eine Doktorarbeit schreiben.
Dabei kann er noch nicht einmal lesen.
Ein neues Familienmitglied braucht keine perfekte Checkliste.
Es braucht: Zeit, Sicherheit, Geduld und Anleitung.
Natürlich fragen Züchter und Tierschutzorganisationen oft:
„Haben Sie genug Zeit für den Hund?“
Aber vielleicht wäre die wichtigere Frage:
„Was erwarten Sie von diesem Hund in der ersten Woche?“
Und dann weiter:
– Was erwarten Sie nach 14 Tagen?
– Was erwarten Sie nach einem Monat?
– Was erwarten Sie nach sechs Monaten?
– Was erwarten Sie nach einem Jahr?
Denn genau da wird sichtbar, ob Erwartungen realistisch sind.
Ein Hund, der gerade umzieht, verliert erstmal seine Sicherheit.
Ein Welpe kennt die Welt noch nicht.
Ein Tierschutzhund muss oft erst verstehen, dass er angekommen ist.
Das ist kein Ungehorsam. Das ist Anpassung, Unsicherheit und Lernen.
Wenn wir von Anfang an zu viel erwarten, entsteht Druck. Für den Menschen. Und für den Hund.
Und genau dieser Druck ist oft der Anfang von Frust, Überforderung und Rückgabe.
Ein Hund braucht keinen perfekten Start. Er braucht Menschen, die ihn fair begleiten.
Bevor ein Hund einzieht, sollte nicht nur die Zeitfrage geklärt werden.
Sondern vor allem diese:
Bin ich bereit, meine Erwartungen an das Lebewesen anzupassen, das wirklich vor mir steht?
Nicht an den Hund, den ich mir ausgemalt habe, sondern an den Hund, der gerade lernt, bei mir Zuhause zu sein.
– Herzlichen Dank, Antje, für diese klaren Worte!